HK1MK 

im

WAG 2013

Michael aka DL6IAK



Gewittercumuli am Horizont über der Karibik - noch nicht ganz in voller 'Blüte'



Dies ist ja nicht meiner erster Aufenthalt in Kolumbien und nachdem ich den Jahren zuvor stets nur unter HK/DL6IAK mit Gastlizenz aus Kolumbien QRV war, wobei ich aber auch nur jeweils 7 Wochen hier verbrachte, war ich es inzwischen doch leid geworden, mich jedesmal der Prozedur zur Erlangung dieses Papierchens auszusetzen. Jedesmal  ein neuer Sachbearbeiter im zuständigem Ministerium und jedesmal gab es andere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wer die Behörden bei uns zu kennen glaubt, kennt noch lange keine Behörden hier zu Lande, und deren Geduld kann ich nur sagen, sprengt alle vorstellbaren Grenzen.

Dieses Jahr war ein Aufenthalt bis Ende Februar 2014 geplant, also genügend Zeit, um den Kampf für die Erteilung eines kolumbianischen Rufzeichens auf sich zu nehmen. Dieses gilt dann 10 Jahre und kann dann verlängert werden. Nachdem ich mich schlau gemacht habe, indem ich das aktuelle kolumbianische AFU-Gesetz versucht habe zu interpretieren, hatte ich den Ansatz gefunden. Die Beantragung einer Licencia Avanzada. Vielleicht ein paar kurze Erläuterungen zum hiesigen Lizenzwesen. In Kolumbien erlangt man eine Lizenz, so wie ich es verstanden habe, durch eine Prüfung, die bei einem der akreditierten Amateurfunkclubs abgenommen wird. Man erwirbt zunächst eine sekundäre Lizenz mit eingeschränkten Rechten und kann dann nach zwei Jahren Betrieb und entsprechenden Nachweisen eine primäre oder Expert-Lizenz beantragen, die einem mehr Rechte gibt. Nach weiteren sechs Jahren kann dann die höchste Lizenzklasse, eben die Licencia Avanzada beantragt werden, die einem maximale Rechte gibt, sprich die Nutzung aller freigegebenen Frequenzbänder der entsprechenden ITU-Zone. So kann man auch offiziel mit bis zu zwei Kilowatt  ohne schlechtes Gewissen und verbales Dämpfungsglied Betrieb machen. Zum Beantragen der Lizencia Avanzada gibt es eine Liste von Dingen, die man nachweisen muss, z. B. ein Logbuch der letzten  Jahre (hatte ich glücklicherweise in elektronischer Form bei www.hamlog.eu) und im Falle des Besitzes einer ausländischen Lizenz, das Beilegen eben dieser (bei mir war das dann die deutsche Lizenz und eine amerikanische Extra Class), für den Nachweis meiner technischer Kompetenz reichte offensichtlich meine angeheftete Visitenkarte. Einer kolumbianischen Adresse gebraucht es auch, aber das war ja kein Problem. Also die Antragsformulare alle ausgefüllt und besonders wichtig, die ca. 80€ Verfahrensgebühren bezahlt und den Einzahlungsbeleg mitgeschickt. Erschwerend war sicher, dass das Ministerium in Bogota war, was leider nicht gerade hier um die Ecke ist. Viele entnervende Telefonate später dann die erlösende Mitteilung, dass alles geprüft sei, ich bezahlt hätte und mir ein Rufzeichen zugeteilt wurde, sicherlich hätte sich das noch länger hingezogen, hätte meine XYL dem zuständigen Mitarbeiter nicht ihr Leid mit ihrem ungeduldig wartenden OM  geklagt, wo doch ein wichtiger Kontest genau an diesem Wochenende statt fände. Das war zwar nicht ganz richtig, aber da ja quasi immer gerade ein Kontest an einem Wochenende stattfindet, eben auch nicht ganz falsch ... kurzum, gegen Ende September hatte ich das Call HK1MK wohl in rekordverdächtiger Zeit von knapp vier Wochen und gefühlt hunderten Telefonaten später.

Nachdem wir in unserem Domizil an der Karibikküste ca. 200km südwestlich von Cartagena anlangten, wurde versucht mit einer 12m Angelrute und diversen Drähten unter Verwendung der örtlichen Palmenflora etwas Antennenartiges zu zaubern. Zunächst hatte ich die Angelrute am Balkon unseres Hauses befestigt, nachdem aber die folgende Nacht durch eines der hiesigen Gewitterchen unterbrochen wurde, habe ich es dann sehr schnell vorgezogen, den möglichen Bltzableiter in respektablerer Entfernung in den Garten zu setzen. Leider ist aktuell bis Ende November Regenzeit, was zwar nicht bedeutet, dass es dauernd regnet, sondern eben, dass es fast täglich einen Schauer gibt. Diese Schauer können aber beträchtliche 'Regentropfendichte' annehmen. Einmal kamen 100l/m2 innerhalb kürzester Zeit runter, was ich am Ansteigen des Wasserspiegels des kleinen Minipools um 10cm im Garten feststellen konnte, aber meist strahlt dennoch die Sonne.  

Die ersten Sendeversuche zeigten, wie auch schon in den Jahren zuvor, dass Europa in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) auf 10m/12m sehr gut zu arbeiten ist, bis es dort dunkel wird und die oberen Bänder der Reihe nach 'verlöschen', die meiste Zeit des Tages ist dann Europa zu, bzw. man hört nur sehr laute Stationen auf 20m, wenn das Band etwas geöffnet ist. Ansonsten dominieren die W-Stationen das Geschehen. Zur Zeit der kurzen Dämmerung und etwas danach (hier 17-19Uhr) öffnet sich 17/15/12m und manchmal auch 10m in Richtung JA, das ca. 13000km von hier entfernt ist.  Danach sind diese Bänder auch dicht und wenn es hier dann richtig dunkel ist und es nicht gerade gewittert kann auf 40m wieder EU gearbeitet werden, dann ist aber dort auch schon ziemlich spät bzw. früh, so gegen 1:00-2:00 Ortszeit EU. Auf 80m ist der QRN-Störpegel schon beträchtlich, mir gelangen hier bisher nur einige CW QSOs mit UA9 und HA.



Die zuletzt hochgeladenen 15 QSOs im meinem Logfile bei www.hamlog.eu,
das dort auch eiingesehen werden kann

WAG 2013



Blick vom Balkon auf die Angelrutenantenne im Garten,
dahinter gleich der Strand

Der WAG 2013, dieses Jahr einmal nicht vom Bollenberg und auch nicht mit 5W in der QRP-Klasse, sondern aus Kolumbien mit 100W und zwei Drahtantennen. Man fühlte sich aber wie in der QRP-Klasse oder eigentlich vielleicht doch über weite Strecken wie QRPP. Nachdem ich mein Kontetstprogramm noch für den WAG als nicht DL Stationen klar gemacht hatte und in meiner Bandmap nur DL-Stationen auftauchen liess, war ich für den Wettbewerb gewappnet. Vor dem Kontest rief mich noch Axel DF2UQ in CW an, der sehr gut lesbar war, aber später im Kontest kam es dann leider zu keinem Kontakt mehr.

Kontestbeginn ungewohnter Weise einmal vormittags um 10:00 Ortszeit. Wie erwartet waren 10/15/20m voll mit gespotteten DL-Stationen. Meine anfänglichen Versuche selbst zu rufen, um dann ein vermeintliches Pile-Up abzuarbeiten, blieb leider ein Wunschtraum. Dagegen funktionierte es meist auf Anhieb eine Station anzurufen. Offensichtlich arbeiten noch nicht allzu viele Stationen mit dem RBN-Skimmern, denn dort war ich auch von EU-Skimmern immer gut aufzunehmen und ich hatte mir daher insgesamt mehr Anrufe erhofft. Ich war dann bis ca. 0:00 UTC QRV und hatte ca. 210 QSOs im Log. Die oberen Bänder waren inzwischen erloschen, nur 40m war offen. Eine heranziehende Gewitterfront setzte aber dumpfgrollend den vorläufigen Schlusspunkt unter meine Aktivitäten, 80m viel damit leider aus. Am nächsten Tag blieben mir nach dem Aufstehen noch ca. 2h, die auf den oberen Bändern nochmals knapp 50 QSOs brachten. Harry DK2GZ konnte ich durch die Clustermeldungen auch finden, hörte ihn auch gut lesbar, aber es gelang leider keine Kontestverbindung.

Anbei das vorläufige Endergebnis:

Band   QSOs  Multis  Punkte
 80M      0       0       0
 40M     12      11      36
 20M     59      21     177
 15M    119      24     357
 10M     67      23     201
Summe   257      79     771          60909    ERGEBNIS

beste 73' es cuagn
Michael HK1MK/DL6IAK